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DATENREPORT ZUM BERUFSBILDUNGSBERICHT 2012

A7.2 Berufseinstiegsbegleitung nach § 421s SGB III für Leistungsschwächere

Rund 1.000 allgemeinbildende Schulen haben seit Februar 2009 die Berufseinstiegsbegleitung nach § 421s SGB III erprobt. Der Gesetzgeber hat vorgesehen, dass das Bundesministerium für Arbeit und Soziales (BMAS) die Auswirkungen der Berufseinstiegsbegleitung auf das Erreichen des Abschlusses der allgemeinbildenden Schule und den Erfolg insbesondere beim Übergang in eine betriebliche Berufsausbildung untersucht. Im Auftrag des Ministeriums evaluiert daher ein Forschungskonsortium das Instrument. Bislang liegen die Zwischenberichte für die Jahre 2010 und 2011 vor.228

E Berufseinstiegsbegleitung nach § 421s SGB III Ausbildungsstellenbewerber/-innen

Das Ziel dieses Instruments ist es, Jugendliche in eine berufliche Ausbildung einzugliedern. Dies erfolgt durch eine Begleitung der Jugendlichen von Personen, die aufgrund ihrer Lebens- und Berufserfahrung eine erfolgreiche Unterstützung erwarten lassen. Gefördert werden sollen insbesondere das Erreichen des Abschlusses einer allgemeinbildenden Schule, die Berufsorientierung und -wahl, die Suche nach einem Ausbildungsplatz und die Stabilisierung des Ausbildungsverhältnisses. Die Begleitung beginnt in der Regel mit dem Besuch der Vorabgangsklasse der allgemeinbildenden Schule und endet ein halbes Jahr nach Beginn einer beruflichen Ausbildung (vgl. Kapitel A4.1).

Zwischenbericht 2010

Der erste Zwischenbericht enthält aufgrund der erst im Februar 2009 begonnenen Berufseinstiegsbegleitung im Wesentlichen eine Darstellung der Implementierung und Durchführung der Berufseinstiegsbegleitung. Hierfür hat das Forschungskonsortium standardisierte Befragungen von Schülern, Trägern und Mitarbeitern der Berufseinstiegsbegleitung sowie Schulleitungen und Lehrern vorgenommen.

Darüber hinaus hat es zwölf Fallstudien durchgeführt, in denen es neben den genannten Akteuren auch die Berufsberatung und weitere Experten befragt hat. Die Ergebnisse waren überwiegend positiv. Die Maßnahme wurde gut angenommen und erzielte bereits nach kurzer Zeit erste Erfolge. Dazu im Einzelnen:

Am 1. Mai 2010 wurden 22.559 junge Menschen gefördert. Die Quote der vorzeitigen Beendigungen lag bei 13,7 % (3.595), wobei die Austritte in erster Linie wegen fehlender Motivation und Mitwirkung erfolgten. Die Meinung der Lehrer über die Verbesserung der Chancen auf den Schulabschluss, der Lernbereitschaft und der schulischen Leistungen war geteilt, wobei jedoch gut 70 % meinten, dass sich realistischere Berufsvorstellungen bei den Teilnehmenden eingestellt hätten. Die Berufseinstiegsbegleiter und die Lehrerschaft attestierten den Schülern einen Motivationsschub – dies war ihrer Meinung nach ein zentraler Erfolg der Berufseinstiegsbegleitung.

Auch die Resonanz der Jugendlichen war überwiegend positiv. Die Teilnehmenden sahen ihre Chancen auf einen Ausbildungsplatz / Praktikumsplatz / Schulabschluss durch die Berufseinstiegsbegleitung in über 80 % der Fälle als verbessert an. Es ist aber darauf hinzuweisen, dass sich die Erfolge der Berufseinstiegsbegleitung zu diesem Zeitpunkt der Befragung noch nicht in tatsächlichen Vermittlungszahlen widerspiegeln konnten. Die Akzeptanz des Instruments beschrieben insbesondere die Teilnehmenden als hoch. Sie zeigten sich auch überwiegend zufrieden mit ihrem persönlichen Begleiter. Ein ähnliches Bild ergab die Befragung der Schulleitungen und Lehrer. Sie hielten die Berufseinstiegsbegleitung in über 90 % der Fälle für einen guten Ansatz, die Umsetzung davon empfanden immerhin noch rund zwei Drittel der Befragten als gut bis sehr gut.

Mehr als die Hälfte der Berufseinstiegsbegleiter hatte mehrmals wöchentlich mit den Teilnehmenden Kontakt. Zwei Drittel der Berufseinstiegsbegleiter machten Hausbesuche und suchten in 84 % der Fälle den Kontakt zu den Eltern. Dabei hat über die Hälfte sogar verbindliche Vereinbarungen mit den Eltern geschlossen. Inhaltlich sahen die Berufseinstiegsbegleiter ihre Hauptaufgaben in Einzelgesprächen mit den Schülern sowie in der Unterstützung der Jugendlichen bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und bei der Praktikumsplatzsuche und -begleitung. Zentral in den Gesprächen waren die Themen berufliche Zukunft und Schule.

Zwischenbericht 2011

Die Forschung hat auch mit dem Zwischenbericht 2011 positive Ergebnisse festgestellt. So haben sich bei den Teilnehmenden leichte Verbesserungen der Noten in Mathematik, Deutsch und Englisch ergeben. Von den Teilnehmenden der ersten Kohorte sind 37,7 % entweder noch auf derselben Schule oder sie sind auf eine andere allgemeinbildende Schule gewechselt. 27,6 % haben eine berufsvorbereitende Maßnahme und 27,9 % eine Berufsausbildung begonnen. Mehr als die Hälfte dieser Ausbildungen waren im handwerklichen Bereich Schaubild A7.2-1.

Bis April 2011 wurden rund 37.000 Teilnahmen (inkl. Nachbesetzungen) registriert. Davon sind 36,7 % bis zum 30. April 2011 wieder aus der Maßnahme ausgeschieden. Fast ein Drittel aller Austritte ging auf Ursachen zurück, die im Verhalten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer begründet lagen. Hierzu gehörten zum Beispiel fehlende Motivation beziehungsweise fehlende Bereitschaft zur Mitwirkung, was in 29,9 % der Austrittsfälle zu verzeichnen war. Weitere 14,4 % der Austritte ereigneten sich aufgrund persönlicher Umstände der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie zum Beispiel eines Wohnortwechsels. Ein weiteres Drittel von Austritten erfolgte im Zusammenhang mit der Aufnahme einer Maßnahme zur Berufsvorbereitung (17,0 %) oder wegen einer Berufsausbildung (15,5 %) Schaubild A7.2-2.

Die Fluktuation bei den Berufseinstiegsbegleitern hat sich leicht reduziert. Während 33 % der Begleiter bis Mitte 2010 ihre Stelle schon wieder verlassen hatten, gaben in dem Vergleichszeitraum 2011 27 % der Teilnehmenden an, dass sie einen Begleiterwechsel hatten, und 22,3 % der befragten Begleiter hatten die Stelle gewechselt.

Der Fokus der Berufseinstiegsbegleitung lag aus Sicht der Schüler / -innen zunächst auf der Verbesserung der schulischen Leistungen. Schaubild A7.2-3 informiert über die beim Verlassen der Schule erreichten Schulabschlüsse. Die Begleiter sollten in der Berufseinstiegsbegleitung ihr „spezifisches Wissen“ zugänglich machen und bei gemeinsamen Terminen (bspw. in einem Betrieb) eine „Brückenfunktion“ wahrnehmen. Die Schüler / -innen nutzten das Instrument auch, um sich auf Einstellungstests der Arbeitgeber vorzubereiten. Die Teilnehmenden erkannten, dass die Angebote vielfältig sind und dass ihre Eigeninitiative zur Nutzung dieser Angebote gefragt ist.

Aufgrund der positiven Ergebnisse der Evaluierung hat der Gesetzgeber das Instrument modifiziert und ab 1. April 2012 als neue unbefristete Regelung in § 49 SGB III eingeführt. Die Berufseinstiegsbegleitung kann nun an allen allgemeinbildenden Schulen durchgeführt werden und wird damit als das Begleitinstrument für den Übergang von förderungsbedürftigen Schülerinnen und Schülern allgemeinbildender Schulen in die Berufsausbildung verankert.

(Bundesministerium für Arbeit und Soziales)

Schaubild A7.2-1: Ausbildungsbereiche, in denen eine Ausbildung begonnen wurde
Schaubild A7.2-1 (barrierefrei)


Schaubild A7.2-1: Ausbildungsbereiche, in denen eine Ausbildung begonnen wurde

Schaubild A7.2-2: Gründe für den Austritt nach Angaben der Einstiegsbegleiter / -innen
Schaubild A7.2-2 (barrierefrei)


Schaubild A7.2-2: Gründe für den Austritt nach Angaben der Einstiegsbegleiter / -innen

Schaubild A7.2-3: Schulabschlüsse der Teilnehmenden nach Verlassen der Schule
Schaubild A7.2-3 (barrierefrei)


Schaubild A7.2-3: Schulabschlüsse der Teilnehmenden nach Verlassen der Schule

Fußnoten

228 Die Berichte können auf der Internetseite des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales unter http://www.bmas.de/DE/Service/Publikationen/Forschungsberichte/Forschungsberichte-Berufseinstiegsbegleitung/inhalt.html abgerufen werden.

Bibliografischer Hinweis

Internetversion des BIBB-Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2012 - Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Hrsg.: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn (2012).

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