Sie befinden sich hier:

 

DATENREPORT ZUM BERUFSBILDUNGSBERICHT 2013

A5.4 Strukturelle Entwicklungen im berufsbildenden Schulsystem

Ein Blick auf die strukturellen Entwicklungen soll die Ausführungen der vorherigen Kapitel zu den Entwicklungen im berufsbildenden Schulsystem ergänzen. Im Fokus der Betrachtung stehen in diesem Zusammenhang 3 relevante Aspekte: die Harmonisierung der Berufsbezeichnungen der Berufsbildungsabschlüsse an Berufsfachschulen, die Reduktion vollzeitschulischer Ausbildungsangebote insbesondere im Bereich der technischen und kaufmännischen Assistenten-/Assistentinnenberufe sowie die Entwicklungen im Bereich der nicht akademischen Berufe im Gesundheits- und Sozialwesen vor dem Hintergrund der Fachkräftesicherung und Weiterentwicklung der Pflegeberufe.

Harmonisierung der Berufsbezeichnungen der Berufsbildungsabschlüsse

Die Kultusministerkonferenz hat die Voraussetzung für die gegenseitige Anerkennung der Abschlüsse in den Bundesländern durch Qualitätssicherung der Abschlüsse auf der Grundlage gemeinsam vereinbarter Kriterien und Bildungsstandards geschaffen. Maßgeblich sind folgende Vereinbarungen:

  • Rahmenvereinbarung über die Berufsfachschulen vom 28. Februar 1997 in der jeweils geltenden Fassung
  • Rahmenvereinbarung über die Ausbildung und Prüfung zum Staatlich geprüften technischen Assistenten/zur Staatlich geprüften technischen Assistentin und zum Staatlich geprüften kaufmännischen Assistenten/zur Staatlich geprüften kaufmännischen Assistentin an Berufsfachschulen vom 30. September 2011 in der jeweils geltenden Fassung (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder 2012).

Die Berufsabschlüsse nach der Rahmenvereinbarung vom 30. September 2011 wurden hinsichtlich der Berufsbezeichnungen im Bereich der technischen und kaufmännischen Assistenten-/Assistentinnenberufe bundesweit harmonisiert. Eine aktuelle Übersicht dieser Ausbildungsgänge mit den jeweiligen länderspezifischen Schwerpunkten bietet die Dokumentation der Kultusministerkonferenz vom 26. Januar 2012 über landesrechtlich geregelte Berufsabschlüsse an Berufsfachschulen (Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder 2012, S. 9–19). Die Berufsabschlussbezeichnungen nach der Rahmenvereinbarung vom 28. Februar 1997 werden derzeit im Hinblick auf die Harmonisierung überarbeitet.

Reduktion vollzeitschulischer Berufsausbildungsgänge

Im Rahmen der Wirtschaftsministerkonferenz der Bundesländer am 4./5. Juni 2012 wurde einstimmig beschlossen, den Übergang Schule – Beruf zu optimieren. In diesem Kontext sollen vollzeitschulische Ausbildungsangebote, für die es ausreichend regionale Angebote an affinen betrieblichen Ausbildungsplätzen gibt, eingestellt werden (vgl. Wirtschaftsministerkonferenz 2012, S. 39).

Insbesondere angesichts des demografischen Wandels gibt es in den Bundesländern vielfältige Reforminitiativen zur Optimierung des Übergangs. Die strukturellen Entwicklungen verlaufen jedoch sehr unterschiedlich. Wichtig ist, die länderspezifischen Entwicklungen stets im Gesamtkontext der demografischen und konjunkturellen Entwicklungen sowie insbesondere im Kontext der jeweiligen länderspezifischen Besonderheiten zu betrachten. Sowohl die regionale Ausbildungsmarktsituation als auch das Bildungsverhalten der Jugendlichen sind in die Gesamtbetrachtung einzubeziehen. Angesichts der Komplexität der Thematik sei daher an dieser Stelle ergänzend auf die Ausführungen zum Ausbildungsstellenmarkt (vgl. Kapitel A1) und zum Bildungsverhalten der Jugendlichen (vgl. Kapitel A3) verwiesen.

Exemplarisch werden nachstehend die Entwicklungen der Länder skizziert, die im Bereich der Assistenten-/ Assistentinnenberufe Initiativen eingeleitet haben:198

  • Sachsen: Zugunsten der dualen Ausbildung werden in Sachsen laut Kabinettsbeschluss vollzeitschulische Ausbildungsgänge eingestellt. Dazu zählen die Bildungsgänge Assistent/-in für Automatisierungs- und Computertechnik, Bekleidungstechnische/-r Assistent/-in, Che- misch-technische/-r Assistent/-in, Gestaltungstechnische/- r Assistent/-in und Technische/-r Assistent/-in für Informatik an Berufsfachschulen für Technik sowie die Ausbildungsgänge Internationale/-r Touristikassistent/-in, Assis- tent/-in für Hotelmanagement, Fremdsprachenkorrespondent/- in und Wirtschaftsassistent/-in an Berufsfachschulen für Wirtschaft (Sächsisches Staatsministerium für Kultus 2012).
  • Mecklenburg-Vorpommern: In Mecklenburg-Vorpommern können zahlreiche betriebliche Ausbildungsplätze derzeit nicht mehr besetzt werden. Vollzeitschulische Ausbildungsgänge im Bereich der kaufmännischen und technischen Assistenten/ Assistentinnen wurden im Schuljahr 2011/2012 daher bereits eingestellt. Die Einstellung der Ausbildungsgänge im Bereich Hauswirtschaft erfolgt für das Schuljahr 2012/2013.
  • Brandenburg: Brandenburg strebt ebenfalls eine Reduzierung im Bereich der technischen und wirtschaftlichen vollzeitschulischen Ausbildungsgänge an. Die Schulverordnung ist derzeit in der Überarbeitung.
  • Thüringen: Angesichts der demografischen Entwicklung erfolgte in Thüringen eine Reduktion der Assistenten-/Assistentinnenausbildungen von 15 auf 9 Ausbildungsgänge. Seit dem Schuljahr 2012/2013 werden folgende Ausbildungsgänge nicht mehr angeboten: Elektrotechnische/-r Assistent/-in, Assistent/-in für Automatisierungs- und Computertechnik, Hauswirtschaftsassistent/ -in, Assistent/-in für Tourismus, Logistikassistent/ -in, Verkehrsassistent/-in. Der Schwerpunkt der Berufsabschlüsse außerhalb BBiG/HwO an Berufsfachschulen liegt in Thüringen im Bereich der Gesundheits- und Sozialberufe.
  • Nordrhein-Westfalen: Im Rahmen des Gesamtkonzepts der Neugestaltung des Übergangssystems Schule – Beruf in NRW wird betont, dass die Angebote der Sicherstellung des Fachkräftenachwuchses dienen sollen. „Ziel ist, die Angebote im Übergang zu systematisieren, zu reduzieren und die Zugangssteuerung in die Angebote zu optimieren. Vorrangig bleibt die Vermittlung in betriebliche Ausbildung“ (Ministerium für Arbeit, Integration und Soziales des Landes Nordrhein- Westfalen 2012, S. 6). In diesem Zusammenhang sollen u. a. auch die Angebote im Berufskolleg reduziert und neu strukturiert werden. Bis zum Schuljahr 2017/2018 soll das Gesamtkonzept flächendeckend umgesetzt sein.

Entwicklungen in nicht akademischen Berufsausbildungen des Gesundheits- und Sozialwesens

Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels einerseits und gestiegener Anforderungen anderseits steht die Qualifizierung der Fachkräfte im Gesundheitsund Sozialwesen vor vielfältigen Herausforderungen. 3 aktuelle und relevante Entwicklungsprozesse sind in diesem Zusammenhang aus berufsbildungspolitischer Perspektive hervorzuheben:

  • Eckpunkte für die in Länderzuständigkeit liegenden Ausbildungen zu Assistenz- und Helferberufen in der Pflege
    Nach dem Beschluss der 89. Arbeits- und Sozialministerkonferenz (ASMK) soll ein länderübergreifendes transparentes sowie durchlässiges Aus- und Weiterbildungsangebot von Assistenz- und Helferberufen bis zu Pflegefachkraftberufen und akademischen Aus- und Weiterbildungen entstehen. Die vorliegenden Eckpunkte stellen zwischen den Bundesländern vereinbarte Mindestanforderungen an Ausbildungen zu Assistenzund Helferberufen in der Pflege dar. Bis zum Inkrafttreten des neuen Pflegeberufegesetzes (s. u.) sollen alle Mindestanforderungen in den Länderregelungen umgesetzt sein. Auf dieser Grundlage soll die Bundesregierung mit der Option einer Verkürzung der künftigen Pflegefachkraftausbildung bei erfolgreich abgeschlossener Ausbildung in den Assistenz- und Helferberufen in der Pflege eine entsprechende gesetzliche Regelung treffen (Arbeits- und Sozialministerkonferenz 2012, Anlage zu TOP 7.1).
  • Eckwerteentwurf für ein neues Pflegeberufe- gesetz mit der Zusammenführung der in Bundeszuständigkeit liegenden Pflegeausbildungen
    Die Weiterentwicklung im Bereich der Pflegeberufe sieht im Eckwerteentwurf vom 1. März 2012 die Zusammenführung der 3 bundesrechtlich geregelten Pflegeberufe (Gesundheits- und Krankenpflege, Gesundheits- und Kinderkrankenpflege, Altenpflege) zu einem neuen Pflegegesetz vor. Der Entwurf berücksichtigt bereits die durch die demografischen und epidemiologischen Entwicklungen hervorgerufenen Veränderungen und sieht eine kompetenzorientierte Formulierung der Ausbildungsziele vor. Die akademische Ausbildung an Hochschulen soll im zweiten Teil des neuen Berufegesetzes und in einer Ausbildungs- und Prüfungsverordnung geregelt werden (Bund-Länder AG, 2012, S. 27).
  • Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege
    Zur Fachkräftesicherung in der Altenpflege initiierte das für die Altenpflegeausbildung zuständige Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend (BMFSFJ) im vergangenen Jahr die „Ausbildungs- und Qualifizierungsoffensive Altenpflege“. Im Dezember 2012 wurde der Vereinbarungstext des ersten bundesweiten Ausbildungspaktes für den Bereich der Altenpflege mit rund 30 Partnern aus Bund, Ländern und Verbänden unterzeichnet. Zu den Zielvereinbarungen zählen u. a. die Steigerung der Auszubildendenzahlen pro Jahr um 10 %, die Wiedereinführung der 3-jährigen Umschulungsförderung durch die Bundesagentur für Arbeit (BA), die Nachqualifizierung von bis zu 4.000 Pflegehelferinnen und Pflegehelfern zur Altenpflegefachkraft, die Förderung der Weiterbildung sowie die Verbesserung der Rahmenbedingungen in der Altenpflege. Umgesetzt werden die vereinbarten Maßnahmen bis Ende 2015 (Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend 2012).

Im Hinblick auf die Sicherung des Fachkräftebedarfs im Gesundheits- und Sozialwesen dienen insbesondere die landesrechtlich geregelten Ausbildungsgänge im Bereich der Pflegehelfer/-innen, die den Zugang zur Ausbildung in den Pflegeberufen ermöglichen, sowie die Ausbildungsgänge Sozialassistent/ -in und Sozialpädagogische/-r Assistent/-in als Zugangsvoraussetzung für die Ausbildung zur Erzieherin/ zum Erzieher.

Fazit

Insbesondere vor dem Hintergrund der demografischen und konjunkturellen Entwicklung zeigen sich im Bereich der Berufsausbildung im berufsbildenden Schulsystem auf struktureller Ebene 2 gegenläufige Tendenzen: Reduktion vollzeitschulischer Ausbildungsangebote im Bereich technischer und kaufmännischer Assistentenberufe einerseits und Bedeutungszuwachs der Berufsausbildung im Gesundheits- und Sozialwesen andererseits.

(Maria Zöller)

Fußnoten

198 Stand Dezember 2012.

Bibliografischer Hinweis

Internetversion des BIBB-Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2013 - Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Hrsg.: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn (2013).

Diese Information weitergeben

Diese Informationen weitergeben bei: Facebook Diese Informationen weitergeben bei: Twitter Diese Informationen weitergeben bei: MeinVZ

Social Bookmarks

Lesezeichen setzen bei: Google Lesezeichen setzen bei: Yahoo Lesezeichen setzen bei: Mr. Wong Lesezeichen setzen bei: Del.icio.us Lesezeichen setzen bei: Linkarena Lesezeichen setzen bei: Folkd Lesezeichen setzen bei: Yigg

Tools: