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DATENREPORT ZUM BERUFSBILDUNGSBERICHT 2012

A9.2 Ergebnisse der BIBB-IAB Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen bis zum Jahr 2030

Gesamtwirtschaftliche Arbeitsmarktentwicklung bis 2030

Das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) und das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) haben vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung und unter Berücksichtigung der zwischenzeitlich gestiegenen Erwerbsquoten insbesondere von älteren Arbeitnehmern sowie der Zunahme von Studienanfängern ihre zweite Modellrechnung der Entwicklung des Arbeitskräfteangebots und -bedarfs bis 2030 insgesamt sowie differenziert nach 4 Qualifikationsstufen und 12 Berufshauptfeldern vorgelegt (Helmrich u. a. 2012, zu den methodischen und datentechnischen Fragen siehe Helmrich/Zika 2010) .

E BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen

Die BIBB-IAB-Qualifikations- und Berufsfeldprojektionen (Helmrich/Zika 2010) sind eine koordinierte Angebots- und Bedarfsprojektion auf der Grundlage gemeinsam definierter Berufsfelder und Datengenerierungen. Datengrundlage ist hierbei der Mikrozensus, eine amtliche Repräsentativstatistik des Statistischen Bundesamtes über die Bevölkerung und den Arbeitsmarkt, an der jährlich 1 % aller Haushalte in Deutschland beteiligt ist, angepasst an die Eckwerte der volkswirtschaftlichen Gesamtrechnung (vgl. Bott u. a. 2010). Für die Berufsdifferenzierung wurde zunächst seitens des BIBB eine einheitliche Berufsfeldsystematik entwickelt (vgl. Tiemann u. a. 2008).

Das IAB hat mit dem IAB/INFORGE-Modell eine Projektion des realisierten Arbeitskräftebedarfs (ohne Berücksichtigung offener Stellen) nach 59 Wirtschaftssektoren erstellt und diese anhand der Berufsfeldsystematik und der entsprechenden vom BIBB aufbereiteten Daten aus dem Mikrozensus nach 4 Qualifikationsstufen und 54 Berufsfeldern disaggregiert, die anschließend zu 12 Berufshauptfeldern bzw. 3 Berufsoberfeldern zusammengefasst werden. Das INFORGE-Modell ist ein nach Produktionsbereichen und Gütergruppen tief disaggregiertes ökonometrisches Prognosemodell für die Bundesrepublik Deutschland. Ausführliche Modellbeschreibungen finden sich in Schnur/Zika (2009), Meyer u. a. (2007) sowie Hummel/Thein/Zika (2010).

Auf der anderen Seite wurden sowohl mit dem BIBBFIT- Modell des Fraunhofer-Instituts für Angewandte Informationstechnik (Fraunhofer-FIT) (Kalinowski/ Quinke 2010) als auch mit dem BIBB-DEMOS-Modell (vgl. Drosdowski u. a. 2010), das von der Gesellschaft für wirtschaftliche Strukturforschung (GWS) entwickelt worden ist und Verbindungsstellen zum INFORGE-Modell aufweist, Projektionen für das Arbeitskräfteangebot erstellt, die ebenfalls 4 Qualifikationsstufen und 54 Berufsfelder unterscheiden.

Alle Projektionen basieren auf dem Jahr 2010 und reichen bis 2030. In der Gegenüberstellung werden auf der Angebotsseite sowohl der jeweils erlernte Beruf als auch die berufsspezifische berufliche Flexibilität betrachtet.

Auf der Angebotsseite wurden 2 unterschiedliche Projektionssysteme genutzt, um aufzeigen zu können, wie Modelle auf die Veränderungen von Einflussfaktoren reagieren können. Im Sinne der Modellvielfalt wird zum einen mit einem Übergangsmodell (BIBB-FIT) und zum anderen mit einem Kohortenmodell (BIBB-DEMOS) projiziert. Damit können die methodischen Unsicherheiten dargestellt und zugleich Ansätze für eine Validierung der Ergebnisse geboten werden. Eine grafische Darstellung des Projektionssystems findet sich in Schaubild A9.2-1 Internet.

Weitere Informationen unter www.QuBe-Projekt.de.

In der Gegenüberstellung des gesamtwirtschaftlichen Arbeitskräfteangebots und -bedarfs wird deutlich, dass sich das Arbeitskräfteangebot – bedingt durch die demografische Entwicklung – zunehmend stärker als der Arbeitskräftebedarf reduzieren wird. Je nach Modellannahme wird dies unterschiedlich schnell geschehen, jedoch in der Tendenz kommen beide der durchgeführten Modellrechnungen zum Arbeitskräfteangebot zu einer identischen Einschätzung Schaubild A9.2-2 .248 Nach der Angebotsprojektion des BIBB-FIT-Modells, würde im Jahr 2030 das Angebot genau den projizierten Bedarf der Wirtschaft decken. Allerdings würde dies keinen Idealzustand darstellen, weil in der Realität in einer solchen Situation vielerorts bereits ein massiver Arbeitskräfteengpass herrschen würde. Aus Schaubild A9.2-2 wird auch ersichtlich, dass bei den mit dem BIBB-DEMOSModell erstellten Projektionen höhere Erwerbsquoten angenommen werden. Damit verschiebt sich der Zeitpunkt des rechnerischen Schnittpunktes von Angebot und Bedarf um einige Jahre. Das Konzept des Erwerbspersonenpotenzials des IAB schließt neben den Erwerbspersonen auch die sogenannte „stille Reserve“ ein (Fuchs/Weber 2005).

Schaubild A9.2-2: Arbeitsmarktentwicklungen bis zum Jahr 2030 nach Erwerbstätigen, Erwerbspersonen und Erwerbspersonenpotenzial
Schaubild A9.2-2 (barrierefrei)


Schaubild A9.2-2: Arbeitsmarktentwicklungen bis zum Jahr 2030 nach Erwerbstätigen, Erwerbspersonen und Erwerbspersonenpotenzial

Fachkräfteengpässe vor allem bei Personen mit abgeschlossener Berufsausbildung

Das Angebot an Personen mit einer abgeschlossenen Berufsausbildung wird insbesondere demografisch bedingt sinken und würde – ein unverändertes Verhalten auf der Arbeitskräftebedarfsseite vorausgesetzt – gegen Ende des Projektionszeitraums den Bedarf nicht mehr decken können Schaubild A9.2-3. Schon vor diesem Zeitpunkt wird man bei diesem Qualifikationsniveau mit einem schnell zunehmenden Fachkräfteengpass konfrontiert sein, vor allem weil das Angebot zunehmend auch von der fachlichen Ausrichtung dem Bedarf nicht entsprechen wird. Der Bedarf an qualifizierten Fachkräften wird nur geringfügig aufgrund der durch die Engpässe auf dem Arbeitsmarkt erreichbaren Lohnsteigerungen zurückgehen.

Im tertiären Bereich werden sowohl Angebot als auch Bedarf weiter ansteigen – beide liegen bereits heute dicht beieinander. Bei den Hochschulabsolventen und -absolventinnen setzt sich der zu erwartende Bedarf zu etwa gleichen Teilen aus dem Ersatzbedarf und dem durch den wirtschaftlichen Strukturwandel bedingten Neubedarf zusammen. Der Ersatzbedarf wird ab Ende des 2. Jahrzehnts (ab 2020) aufgrund des Ausscheidens der geburtenstarken Jahrgänge (Stichwort „Baby-Boomer-Generation“) sehr deutlich anwachsen. Das leichte akademische Überangebot beruht auf der gegenwärtigen Tendenz zu mehr akademischen Abschlüssen. Dieser Zuwachs hat in den letzten Jahren an Geschwindigkeit zugenommen, wohingegen der Zuwachs beim betrieblichen Bedarf zwar ebenfalls steigend ist, aber nicht das gleiche Ausmaß hat.

Zu erwarten sind hier Anpassungs- und Ausgleichsprozesse mit dem mittleren Qualifikationsbereich. Hiervon sind insbesondere die Bachelorabschlüsse betroffen. Empirisch liegen aber bislang über deren Chancen und Verbleib auf dem Arbeitsmarkt noch keine hinreichenden Informationen vor.

Der Bedarf an Arbeitskräften ohne eine abgeschlossene Berufsausbildung wird leicht sinken. Das entsprechende Angebot wird seinerseits etwas langsamer zurückgehen, womit sich das bestehende Überangebot leicht vergrößern wird. Diese Personengruppe wird damit auch künftig keine besseren Beschäftigungschancen auf dem Arbeitsmarkt vorfinden. Jedoch bietet sich hier die Möglichkeit, insbesondere bei Neuzugängen und jüngeren Erwerbspersonen durch frühzeitige Intervention bzw. Nachqualifizierungen Potenziale für die mittlere Fachkräfteebene zu gewinnen.

Schaubild A9.2-3: Erwerbspersonen und Erwerbstätige nach Qualifikationsniveaus (ISCED) – in Mio.
Schaubild A9.2-3 (barrierefrei)


Schaubild A9.2-3: Erwerbspersonen und Erwerbstätige nach Qualifikationsniveaus (ISCED) – in Mio.

Fachkräfteengpässe in be- und verarbeitenden Berufen sowie Gesundheitsberufen

Engpässe bei der Personalrekrutierung sind jedoch für die Unternehmen seltener ein Problem der Qualifikationsstufe der Bewerber/-innen, sondern der fachlichen Qualifikation und der Kompetenzen. Daher vergleichen die BIBB-IAB-Qualifikationsund Berufsfeldprojektionen auch die Passung von Angebot und Bedarf auf der Ebene der 12 BIBB-Berufshauptfelder . Hinter dem Merkmal Berufsfeld stehen jeweils spezifische Tätigkeitscluster, wobei die Berufe bezogen auf deren Tätigkeiten innerhalb der Berufsfelder homogen und zwischen den Berufsfeldern heterogen sind.

E Berufshauptfelder (BHF) und Berufsfelder (BF)

Für die Projektion des zukünftigen Arbeitskräftebedarfs und -angebots sind die Daten aus dem Mikrozensus auf Basis der Klassifikation der Berufe (KldB 1992) für den ausgeübten Beruf und ab 2005 auch für den erlernten Beruf verwendet worden. Der Detaillierungsgrad der Angaben im Mikrozensus zum ausgeübten Beruf bzw. zur Aus- oder Weiterbildungsfachrichtung auf der Basis der Klassifizierung der Berufe ist allerdings für längerfristige Qualifikations- und Arbeitsmarktprojektionen zu feinmaschig. Projektionen, die Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt in einem Zeitrahmen von bis zu 15 Jahren umfassen, sind auf der Ebene von Einzelberufen wissenschaftlich seriös nicht umsetzbar. Daher wurde auf der Basis der 369 Berufsordnungen (3-Steller) der KldB 1992 eine Verdichtung zu 54 Berufsfeldern vorgenommen (vgl. Tiemann u. a. 2008).

Bei der Definition der Berufsfelder des BIBB wurden die Berufsgruppen (2-Steller) auf Ähnlichkeiten in Bezug auf die ausgeübten Tätigkeiten der in ihnen enthaltenen Berufsordnungen (3-Steller) untersucht und entsprechend zusammengefasst. So konnten schließlich für die Qualifikations- und Arbeitsmarktprojektionen, insbesondere zur Analyse von Berufswechseln und zu beruflichen Flexibilitäten (Wechsel zwischen erlerntem und ausgeübtem Beruf) 54 Berufsfelder definiert werden, die in Bezug auf eine übergeordnete Trendabschätzung zu 12 Berufshauptfeldern und 3 Berufsoberfeldern weiter aggregiert wurden. Einen Überblick über die gebildeten Zusammenfassungen hinsichtlich der Tätigkeitsschwerpunkte liefert Tabelle A9.2-1 Internet.

Vorausgesetzt, das Ausbildungsverhalten entwickelt sich im Trend der letzten Jahre weiter, so weisen einige Berufshauptfelder bereits 2030 einen massiven Fachkräfteengpass auf, während andere durch einen Angebotsüberhang gekennzeichnet sind. Bei der Gegenüberstellung von Angebot und Bedarf sind unterschiedliche Betrachtungen möglich:

Zunächst kann der Bedarf an Fachkräften eines spezifischen Berufshauptfelds mit dem Angebot derjenigen verglichen werden, die einen Beruf in diesem Berufshauptfeld erlernt haben. Viele der Erwerbstätigen bleiben aber nicht in ihrem erlernten Beruf, sondern wechseln in ein anderes Berufshauptfeld. Die Gründe hierfür sind mannigfaltig. Anreiz für einen Wechsel können sowohl bessere Beschäftigungs- oder Einkommenschancen, bessere Arbeitsbedingungen, Aufstiegschancen, aber auch die bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sein.

Als Indikator für berufliche Flexibilität auf dem Arbeitsmarkt weist der Anteil der sogenannten Steher (Erwerbstätige, die in ihrem erlernten Beruf bleiben) gegenüber dem Anteil der externen Fachkräfte (Erwerbstätige, die einen anderen Beruf als den ausgeübten Beruf erlernt haben) in einem Berufshauptfeld hin. Das Ausmaß der beruflichen Flexibilität pro Berufshauptfeld beschreibt die sogenannte Flexibilitätsmatrix des BIBB Tabelle A9.2-2 (vgl. Maier/ Schandock/Zopf 2010), die für die 12 BIBB-Berufshauptfelder aufzeigt, wer mit welchem erlernten Beruf in welchem ausgeübten Beruf arbeitet. Es geht hier nicht um die Gründe des Wechsels, sondern um die Darstellung der Chancen und mögliche Konkurrenzen zwischen Berufsfeldern, die mit einem bestimmten Beruf verbunden sind.

Wird diese Flexibilitätsmatrix bei der Entwicklung des Angebots in der Projektion berücksichtigt, so werden die „beruflichen Wanderungsbewegungen“ teilweise zu einem Ausgleich von Angebot und Bedarf führen und vor allem zeigen, wohin Personen ohne eine formale berufliche Qualifikation wandern – welche Berufsfelder (besser: Berufshauptfelder) also gerade von dieser Gruppe profitieren. Schaubild A9.2-4 zeigt den Einfluss dieser beruflichen Wanderungsbewegungen. Die linke Seite des Schaubilds illustriert die Ergebnisse ohne berufliche Flexibilität, im mittleren Teil werden diese Flexibilitäten berücksichtigt. Ohne berufliche Wanderungen zeigt sich demnach ein Fachkräfteengpass insbesondere in den Lager-, Transport-, Sicherheits-, Wachberufen (BHF 5), Gastronomie- und Reinigungsberufen (BHF 6) sowie Büro-, kaufmännischen Dienstleistungsberufen (BHF 7) und lehrenden Berufen (BHF 12). Be-, verarbeitende und instandsetzende Berufe (BHF 2) und MINT-Berufe (BHF 8) haben hingegen ebenso wie die Gesundheitsberufe (BHF 11) ein leichtes Überangebot.

Unter Einbeziehung der beruflichen Flexibilität weisen bei der Gegenüberstellung von Fachkräftebedarf und -angebot Gastronomie- und Reinigungsberufe (BHF 6), Gesundheits- und Sozialberufe, Körperpflege (BHF 11), Verkehrs-, Lager-, Transport-, Sicherheits- und Wachberufe (BHF 5), be-, verarbeitende und instandsetzende Berufe (BHF 2) und geringfügig bei Maschinen und Anlagen steuernden und wartenden Berufen (BHF 3) bis 2030 einen drohenden Fachkräfteengpass auf.

Ein Überhang von Fachkräften ist bei Berufen im Warenhandel und Vertrieb (BHF 4), Büro-, kaufmännischen Dienstleistungsberufen (BHF 7), Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftlichen Berufen (BHF 9) und in kleinerem Umfang bei lehrenden Berufen (BHF 12) zu erwarten.

In den übrigen Berufsfeldern ist die Situation bis 2030 nahezu ausgeglichen, auch wenn in einem der beiden Angebotsmodelle ein leichtes Überangebot oder ein Engpass auftreten kann.

Tabelle A9.2-2: Berufliche Flexibilitätsmatrix 2008 auf der Ebene der Berufshauptfelder
Tabelle A9.2-2 (barrierefrei)


Tabelle A9.2-2: Berufliche Flexibilitätsmatrix 2008 auf der Ebene der Berufshauptfelder

Arbeitskräfteengpässe in Gastronomie-, Reinigungs- und Gesundheitsberufen

Bei der Betrachtung von Fachkräften werden allerdings die weit über 6 Mio. Erwerbstätigen ohne formalen beruflichen Abschluss nicht berücksichtigt. Es kann davon ausgegangen werden, dass diese Gruppe überwiegend einfache Tätigkeiten ausüben wird, für die eine qualifizierte Ausbildung nicht zwingend notwendig ist. In Ausnahmefällen werden aber auch sie qualifizierte Tätigkeiten ausüben. Die rechte Seite von Schaubild A9.2-4 veranschaulicht die Auswirkungen einer Berücksichtigung der ungelernten Erwerbstätigen. Zum Vergleich werden alle Erwerbstätigen mit den Ergebnisse für die Fachkräfte verglichen (siehe mittlerer Teil von Schaubild A9.2-4).

Es zeigt sich, dass aufgrund der Berücksichtigung aller Erwerbstätigen einschließlich der Personen ohne eine formale berufliche Qualifikation sich leicht abweichende Ergebnisse gegenüber der ausschließlichen Betrachtung der Fachkräfte ergeben:

  • Angebotsüberhang 2030: Die 1. Gruppe beinhaltet Berufshauptfelder, in denen dem projizierten Bedarf auch bis 2030 ein ausreichendes Angebot gegenübersteht: Hierzu gehören:
    • Maschinen und Anlagen steuernde und wartende Berufe (BHF 3)
    • Büro-, kaufmännische Dienstleistungsberufe (BHF 7)
    • Rechts-, Management- und wirtschaftswissenschaftliche Berufe (BHF 9)
  • Ausgeglichene Situation 2030: In der 2. Gruppe sind Berufshauptfelder zusammengefasst, die zwar durch eine angespannte Arbeitsmarktsituation gekennzeichnet sind, das projizierte Angebot aber den Bedarf rein rechnerisch noch deckt. Im Einzelnen sind dies:
    • rohstoffgewinnende Berufe (BHF 1)
    • Verkehrs-, Lager-, Transport, Sicherheitsund Wachberufe (BHF 5)
    • technisch-naturwissenschaftliche Berufe (BHF 8)
    • Lehrberufe (BHF 12)
  • Nachfrageüberschuss 2030: Die 3. Gruppe umfasst Berufshauptfelder, für die die Projektionen ein quantitativ nicht ausreichendes Arbeitskräfteangebot projizieren, wo also ein Arbeitskräfteengpass auftreten kann. Hierzu zählen:
    • be-, verarbeitende und instandsetzende Berufe (BHF 2)
    • Berufe im Warenhandel und Vertrieb (BHF 4)
    • Gastronomie- und Reinigungsberufe (BHF 6)
    • Medien-, geistes- und sozialwissenschaftliche, künstlerische Berufe (BHF 10)
    • Gesundheits- und Sozialberufe, Körperpfleger (BHF 11)

Arbeitskräftelücken wie auch -überhänge werden in der Realität allerdings nicht so eintreten. Sowohl regional als auch unterhalb der hier dargestellten Berufshauptfelder kann es zu Engpässen kommen, die auf den höheren Aggregatebenen nicht auftreten. Zudem können antizipatorische Anpassungsreaktionen der Unternehmen auf der Nachfrageseite, sich wandelnde Ausbildungs- und Berufsoptionen der Jugendlichen auf der Angebotsseite sowie mögliche politische Interventionen Arbeitskräftelücken und -überhänge entschärfen.

Anpassungsreaktionen bei Arbeitskräfteengpässen gestalten sich umso einfacher, je weniger speziagelisiert der Arbeitskräftebedarf ist, weil in solchen Fällen keine langfristigen Qualifizierungsprozesse initiiert werden müssen. Insofern erscheint der hohe Arbeitskräftebedarf des Berufshauptfeldes „Gastronomie- und Reinigungsberufe“ vergleichsweise wenig problematisch, weil in ihm hohe Anteile von Beschäftigten ohne Ausbildungsabschluss oder in Schule/Ausbildung tätig sind.

Die entgegengesetzte Konstellation bieten die Berufsfelder, in denen der Anteil an Hochqualifizierten groß und die Flexibilität gering ist, weil antizipatorische Anpassungsleistungen in diesen Fällen vor allem langwierige Qualifizierungsprozesse voraussetzen.

(Robert Helmrich, Gerd Zika [Institut für Arbeitsmarkt und Berufsforschung], Manuel Schandock, Tobias Maier, Felix Bremser, Peter Bott)

Schaubild A9.2-4: Gewinn- und Verlustrechnung nach Fachkräften und Arbeitskräften nach Berufshauptfeldern 2005 und 2030 vor und nach Einbeziehung der beruflichen Flexibilität in Tausend
Schaubild A9.2-4 (barrierefrei)


Schaubild A9.2-4: Gewinn- und Verlustrechnung nach Fachkräften und Arbeitskräften nach Berufshauptfeldern 2005 und 2030 vor und nach Einbeziehung der beruflichen Flexibilität in Tausend

Fußnoten

248 Im Vergleich zu anderen Studien (z. B. Prognos 2011) werden in der vorliegenden Studie aktuellere Zahlen, die Verrentung mit 67 und auch die derzeit Erwerbslosen in die Analysen einbezogen. In der Potenzialbetrachtung bzw. den Angebotsprojektionen werden die Entwicklungen der Erwerbsquoten unterschiedlich modelliert, insbesondere hinsichtlich der Wirkungen der Verrentung ab 67 Jahren. Zu den Annahmen siehe Fuchs/Söhnlein/Weber 2011; Kalinowski/Quinke 2010 und Drosdowski u. a. 2010.

Bibliografischer Hinweis

Internetversion des BIBB-Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2012 - Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Hrsg.: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn (2012).

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