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DATENREPORT ZUM BERUFSBILDUNGSBERICHT 2010

E2.1 Teilnahme an beruflicher Erstausbildung

Im Datenreport zum Berufsbildungsbericht wird auf Basis geeigneter Indikatoren in den Kapiteln A und B die Entwicklung der beruflichen Aus- und Weiterbildung in Deutschland aufgezeigt. Im internationalen Raum, speziell im jährlichen Bericht der OECD „Bildung auf einen Blick“, werden die Daten jedoch nach anderen Kategorien dargestellt und verglichen. Berufliche Aus- und Weiterbildung spielen dort eine sehr untergeordnete Rolle. Ein Grund hierfür ist sicherlich, dass die OECD als Vergleichsbasis auf Daten fokussiert, die unter Anwendung der ISCED- 97-Klassifikation erhoben werden. Hierdurch werden nur eingeschränkte Informationen über die nationalen Berufsbildungssysteme zur Verfügung gestellt. So werden beispielsweise die Bildungsteilnahme von Jugendlichen mit Migrationshintergrund und deren Auswirkungen auf die Berufsbildungssysteme in zahlreichen anderen Staaten nicht thematisiert. Bezogen auf die Teilnahme ist der OECD-Indikator „Verteilung der Schüler im Sekundarbereich II“ (OECD 2009, S. 62, 337) einschlägig. Relevant ist hierbei die ISCED-Stufe 3. Für Deutschland werden in der ISCED Stufe 3B insbesondere das duale System, die Berufsfachschulen, die einen Berufsabschluss oder berufliche Grundkenntnisse vermitteln, sowie einjährige Schulen des Gesundheitswesens zugeordnet Tabelle E2.1-1. Auch das Berufsgrundbildungsjahr wird dazu gerechnet. ISCED- 3C umfasst Ausbildungsgänge, die direkt auf eine Berufstätigkeit vorbereiten. Der Stufe 3A werden die allgemeinbildenden Schulen (z B. Gymnasien etc.) sowie berufliche Schulen zugeordnet, soweit sie die Hochschulzugangsberechtigung vermitteln (Statistische Ämter des Bundes und der Länder 2008). Diese ISCED-97-Systematik mit der Unterscheidung von Ausrichtung des Bildungsgangs (allgemeinbildend vs. berufsbildend) einerseits und Bildungsziel (Hochschulzugang vs. weitere berufliche Qualifizierung) andererseits bedeutet deshalb für Staaten wie beispielsweise Finnland, Schweden, UK und zahlreiche mittel- und osteuropäische Staaten, deren berufliche Qualifizierung an Schulen häufig auch den Weg zu allgemeinbildenden, akademischen Bildungsgängen öffnet, dass ihre berufliche Ausbildung weitgehend in ISCED Stufe 3A verortet wird. Dies macht einen internationalen Vergleich der Teilnahme an beruflicher Ausbildung im Rahmen von Vollzeitschulen oder in dualer Form schwierig.

Die Differenzierung zwischen Programmziel und Programmausrichtung führt im internationalen Vergleich zu gewissen Schieflagen. In Finnland fehlen offensichtlich rein berufliche Bildungsprogramme; alle Programme auf Sekundarstufe II eröffnen den Hochschulzugang. 66,7 % sind gleichwohl berufsbildend ausgelegt, 11,5 % dual. Die Teilnehmerzahlen für Programme, die zur „Hochschulreife“ führen, liegen für 2007 im OECD- wie im EU-19-Durchschnitt bei ca. 70 %, während Deutschland 42,6 % ausweist. Die Differenz lässt sich leicht erklären: Nur wenige andere Länder verfügen über ein so ausgeprägtes, eigenständiges Berufsbildungssystem wie Deutschland, das auch hoch anspruchsvolle Profile und allgemeine Inhalte umfasst. Eigenständige Berufsbildung ist in anderen Ländern oft ausschließlich auf Einmündung in Beschäftigung ausgelegt.

Daten zum postsekundären, nicht tertiären Bereich355, zu dem nach der ISCED-97-Klassifikation die Fachoberschulen, aber auch Doppel- und Zusatzqualifikationen gehören (ISCED 4A und 4B), werden im Kapitel A des Datenreports teilweise thematisiert. So wird der Indikator „Anzahl und Anteil der Studienberechtigten mit neu abgeschlossenem Ausbildungsvertrag“ aufgeführt. Mit der Doppelqualifikation von Hochschulzugangsberechtigung und beruflicher Ausbildung (ISCED 4A) sticht Deutschland international hervor. Es rangiert hier mit 12,5 % nach der Tschechischen Republik (22,5 %) und Österreich (21,6 %) an dritter Position; der OECDDurchschnitt liegt bei 3,1 %, der EU-19-Durchschnitt bei 4,0 % (Indikator A2.3 „Abschlussquoten im postsekundären, nicht tertiären Bereich“; OECD 2009, S. 64). Diese Daten zeigen deutlich den hohen Stellenwert, den eine berufliche Qualifikation in Deutschland im internationalen Vergleich hat, und müssen in die Diskussion um die Höhe von Akademikerquoten einbezogen werden Y siehe Kapitel E2.2. Im Interesse eines vollständigen Bildes zur beruflichen Bildung in Deutschland sollten darüber hinaus auch die Berufsakademien sowie die berufsorientierten Fachhochschulen samt ihrer dualen Studiengänge (ISCED 5) vgl. Kapitel A7.2 beachtet werden.

(Ute Hippach-Schneider)

Tabelle E2.1-1: Schüler in Sekundarstufe II (2007) – OECD/Bildung auf einen Blick – Indikator C1.4

Tabelle E2.1-1

Fußnoten

355 Bildungsgänge im Anschluss an einen allgemeinen oder beruflichen Abschluss auf
Sekundarstufe 2, die nicht zur Fortbildung bzw. Hochschulbildung gehören.

Bibliographischer Hinweis

Internetversion des BIBB-Datenreports zum Berufsbildungsbericht 2010 - Informationen und Analysen zur Entwicklung der beruflichen Bildung. Hrsg.: Bundesinstitut für Berufsbildung, Bonn (2010).

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